Verdient ein Gründer das Vertrauen von Anlegern, wenn er früher eine Insolvenz erlebt hat?

„Success is not final, failure is not fatal: it is the courage to continue that counts.”

 (Sir Winston Churchill)

Der gute Ruf des tüchtigen Kaufmanns, das mühsam aufgebaute Vertrauen enger Geschäftspartner: Eine Insolvenz kann all dies ins Wanken bringen.

Im Jahr 2013 meldeten in Deutschland 26.300 Unternehmen Insolvenz an. 91.500 Verbraucherinsolvenzen gingen in die deutschen Register ein. [i] Insolvenzen gehören zum normalen Alltag. Scheiden trotzdem die Menschen, die ein Scheitern erlebt haben, aus dem Wettbewerb um neues Kapital aus?

Man wird dem Thema und vor allem den betroffenen Menschen nur gerecht, wenn man nach den Ursachen für wirtschaftliche Misserfolge forscht. Hier lassen sich äußerliche (z.B. konjunkturelle oder technische) sowie personenbezogene Gesichtspunkte unterscheiden.[ii]

Konzentrieren wir uns auf die nicht äußerlichen Einflüsse:

Hierbei mag man zu dem Schluss kommen, dass  eine Person grobe fachliche Fehler begangen hat. Oft hat sie das Risiko falsch eingeschätzt, war für eine Aufgabe nicht genügend qualifiziert oder brachte nicht die notwendige Disziplin auf.

Für ein Leben entscheidend ist aber vor allem der Umgang mit den begangenen Fehlern. Dieser Umgang  ist stark kulturabhängig, und es kommen verschiedene Leitbilder zum Tragen.

In den USA fasst man das Scheitern überwiegend als einen kreativen Prozess der Erneuerung auf. Wer nach einem Rückschlag wieder aufgestanden ist, der genießt großen Respekt. Erfolgreiche Unternehmer, die trotz herber Rückschläge nie aufgegeben haben, werden gern zum Helden stilisiert.

In Deutschland hingegen werden Unternehmer, welche bereits durch eine Insolvenz gegangen sind, weitaus kritischer wahrgenommen. Scheitern passt schlichtweg nicht in unser Ideal vom ungetrübten wirtschaftlichen Erfolg. Wer einmal gescheitert ist, so denken viele, dem fällt es schwer, den „Makel“ abzulegen. Bis heute ist es bei uns nicht einfach, nach einem Misserfolg als Unternehmer eine zweite Chance zu erhalten.

Ansätze, diese Denkweise in Deutschland zu verändern, gibt es. Die FailCon, ein Veranstaltungskonzept aus den USA, fand im Jahr 2012 erstmalig auch in Berlin statt (www.berlin.thefailcon.com). Das Ziel dieser Gründerkonferenz war es, den Umgang und die Chance des Scheiterns in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Die vollständige Übernahme des amerikanischen Denkmodells ist in Deutschland allerdings weder besonders realistisch noch erstrebenswert.

Mehr Offenheit und Toleranz im Umgang mit Misserfolgen ist ohne Zweifel wünschenswert. Die bedingungslose Annahme der „Läuterung“ eines gescheiterten Unternehmers hingegen ist zu naiv.

Betrachten wir die Situation des Scheiterns: Eine genaue Aufarbeitung der Gründe für einen Misserfolg zu leisten ist ein Schmerz über das traumatische Erlebnis des Scheiterns hinaus. Eine präzise Selbstreflexion mag unangenehm sein, aber sie sollte stets die Konsequenz begangener Fehler sein. Wer einen Fehler nicht wahrhaben will, der wird ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder begehen. Die Vorsicht des Verlierers in Kombination mit dem Mut und der Entschlossenheit des Gewinners stellt hingegen eine vielversprechende Synthese für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg dar.

Wir stehen schon aus Gründen der Fairness vor der gesellschaftlichen Aufgabe, der Stigmatisierung von einmal gescheiterten Unternehmern entgegenzutreten. Investoren werden solche Unternehmer aber nur dann überzeugen können, wenn sie offen mit dem Thema und mit ihrem Lernprozess umgehen. Sie müssen zeigen, welche Rückschlüsse sie aus ihrer traumatischen Erfahrung gezogen haben und welchen Gewinn und welche zusätzliche Sicherheit der Anleger daraus zu ziehen vermag.

Auch böse Erfahrungen, richtig bedacht, sind ein Kapital. Gutes Kapital wirft Zinsen ab.

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